Die Gewalt unter Kindern und Jugendlichen nimmt zu, in vielfältiger Weise und schon bei den Kleinsten - ob durch einfaches Mobbing oder Ausgrenzen und nicht zuletzt gibt es auch "einen bösen Mann". Oberstes Ziel deshalb: Selbstbewusstsein schaffen und Aufklären über richtiges Verhalten in Notsituationen. Der Elternbeirat der Kindertagesstätte "Christophorus" in Issigau hatte zu diesem Thema Klaus Gerlach von der Wing Tsun-Kampfkunstschule eingeladen. Im Kurs "Gewaltprävention" erläuterte er den Mädchen und Jungen verschiedene Szenarien und erklärte in Rollenspielen, wie man Konfliktsituationen richtig löst.

Der Kurs soll den Kleinen Sicherheit geben, sie sollen Angst überwinden und Zivilcourage lernen, indem sie Konflikte bewusst entschärfen. Damit auch die Eltern wissen, was die Kinder gelernt haben, warum sie vielleicht zu Hause auf einmal so reagieren, bildete ein Elternabend den Abschluss des Kurses.

Im Kurs selbst geht es lebhaft zu. "Nein! Nein! Nein!", die Rufe werden immer lauter, denn Sprache, Mimik und Gestik sollen das Gegenüber abwehren. Die Kinder lernen schnell, hören gespannt zu, und der anfangs noch schüchtern dreinblickende kleine Mann wird nach einigen Versuchen selbstbewusster.

Klaus Gerlach weiß die Kinder zu animieren und erklärt ihnen kindgerecht, worauf es genau ankommt. Ganz klar, dass trotz der ernsten Thematik auch Spaß im Spiel ist, denn gerade bei Kindern sei Spaß ein Schlüssel zum Erfolg. Neinsagen will gelernt sein, auch dass Kinder Erwachsene bei einem schlechten Bauchgefühl einfach ignorieren. Deshalb gehöre eine kräftige Portion Mut und Selbstvertrauen dazu, sich einem Erwachsenen zu widersetzen. Man soll eben nicht ans Autofenster herantreten oder mitgehen.

Gerlach will die Kinder stark machen, mit Selbstbehauptung und Selbstverteidigung. Und genau darauf ziele die Philosophie der Wing-Tsun-Schule ab, die den Kurs anbietet. "Euer Nein muss fest und sicher sein", sagt Klaus Gerlach, der auch das Kinder- und Jugendtraining der Wing-Tsun-Schule Naila leitet. Auch wenn sich die Kindergartenkinder doch nicht alles merken können, was sie vermittelt bekommen: Was sich im Hinterkopf verankert hat, kann im Ernstfall lebensrettend sein.

Gerlach verdeutlicht den Kindern anhand des Buches "Ich geh doch nicht mit jedem mit", wer ein Fremder ist. "Ein Fremder ist erst einmal jeder, außer euren Eltern, Großeltern oder Geschwistern", prägt der Kursleiter den Kindern ein. "Auch der nette Nachbar, den ihr vom Sehen her kennt, ist ein Fremder." Das Buch empfiehlt Gerlach auch den Eltern. Er ermutigt sie, mit den Kindern eine Liste zu erstellen, mit wem die Kleinen ohne die Eltern zu fragen, mitgehen oder mitfahren dürfen.

Auch das Thema Konfliktbewältigung behandelt der Kurs. Es geht darum, wie man sich durch Stimme, Mimik, Gestik und einen Gang mit hoch erhobenem Kopf selbst behaupten kann - mit dem Ziel, vom Gegenüber erst gar nicht als Opfer ausgewählt zu werden. Wo ist der sicherste Platz, wenn einen ein Autofahrer aus dem heruntergekurbelten Fenster anspricht?

Nicht direkt am Fenster, sondern vorn am Kotflügel, neben dem Reifen, sodass im Falle eines Falles der Fahrer erst um die Autotür herum muss und dadurch das Kind schon einen Vorsprung gewonnen hat. Direkt vor dem Fenster kann es ein leichtes sein, das Kind einfach hereinzuziehen. Das wird auf dem Parkplatz geübt.

"Los!" ruft Klaus Gerlach, die Kinder rennen immer zu dreien davon. Bis der Trainer heraußen ist, haben die Kinder alle weil zehn Schritte Vorsprung, die vielleicht einmal lebensrettend sein können. (14.04.2011 und 15.04.2011)